folgende Pressemitteilung haben wir zur Demo veröffentlicht
„Erinnern heißt verändern“ – 5.000 Menschen demonstrieren in Rostock für antirassistische Politik
27. August 2022.Rostock-Lichtenhagen. Am heutigen Samstag demonstrierten 5.000 Menschen in unter dem Motto „Erinnern heißt verändern“ anlässlich des Gedenkens an das Pogrom in Lichtenhagen 1992 in Rostock für eine antirassistische Politik. Die Demonstration wurde vom Bündnis „Gedenken an das Pogrom. Lichtenhagen 1992“ organisiert, das im Rahmen eines Gedenkjahres an das Pogrom und seinen Kontext erinnert.
Karte der Demoroute – erstellt mit Daten von Open-Street-Maps
Morgen findet unsere bundesweite Demo „Erinnern heitß verändern“ statt. Es wird 5 Kundgebungen während der Demo geben: die Auftakt-Kundgebung in der Nähe der S-Bahnhaltestelle Lichtenhaben, 3 Zwischenkundgebungen entlang der Demoroute und die Abschluss-Kundgebung beim „Sonnenblumenhaus“.
Jede Kundgbeung hat ein Thema, hier haben wir nochmal alle Kundgebungen zusammengefasst:
Auftakt-Kundgebung
Den Auftakt auf dem Parkplatz Flensburger Straße um 14.00 Uhr machen gemeinsam unser Bündnis, sowie Initiative zu Hoyerswerda 1991 und Initiative Cottbus 1992. Anfang der 90er drehte sich die Debatte um die Täter. Die Betroffenen rassistischer Gewalt standen gesamtgesellschaftlich zwar im Fokus rassistischer Debatten, doch selten bekamen ihre Perspektiven Raum.
Das holen wir 30 Jahre nach den Pogromen und Morden nach! Es sprechen zum Auftakt der Demo auch @dienhongrostock, der Verein den vietnamesische Betroffene des Pogroms im Oktober 1992 gründeten. Auch MIGRO gründete sich kurz vorher und wird sprechen. Zudem bringt reclaim_and_remember mit den Erfahrungen aus Mölln bundesweite Perspektiven auf die frühen 90er Jahre und das Erinnern.
Es werden bewegende und starke Eröffnungsworte!
1. Zwischen-Kundgebung
Die erste Zwischenkundgebung in der Möllner Straße widmet sich den Perspektiven derjenigen, gegen die sich die rassistische Gewalt richtete. Es sprechen daher Vertreter:innen von Rom:nja- Organisationen, aus der viet:deutschen Community und solidarische Aktivist:innen: Das Roma Center Göttingen, Romano Sumnal e.V. Leipzig, Korientation e.V. und jemand vom JAZ Rostock.
2. Zwischen-Kundgebung
Die zweite Zischenkundgebung an der Kreuzung St.-Petersburger-Straße/Warnowallee wird vom bundesweiten antirassistischen Bündnis wellcomeunited organisiert. Hier stehen aktuelle Anliegen und Perspektiven von migrantischen Aktivist:innen und Aktivist:innen of Colour im Fokus. Mit dabei sind Redner:innen von Jugendliche ohne Grenzen, Lagerwatch Thüringen, International Women* Space e.V. und weitere.
We’ll come United gestaltet zudem den ersten Abschnitt der Demo. Schließt euch an: United against racism!
3. Zwischen-Kundgebung
Auf der 3. Zwischenkundgbeung in der Warnowallee/Rigaer Straße kommen Initiativen zu Wort, die an rechte Morde und rechten Terror in den letzten 30 Jahren erinnern. Es sprechen:
Das Gedenken an rechte Gewalt hat in den vergangenen Jahren den Fokus verschoben: Hin zum Leben und Überleben der Opfer, Überlebenden und Angehörigen. Dies ist ein Erfolg von antirassistischen Aktivist:innen und gleichzeitig eine anhaltende Aufgabe.
Abschluss-Kundgebung
Zum Abschluss der Demo auf der Wiese hinter dem „Sonnenblumenhaus“ sprecht die VVN-BdA und Kien Nghi Ha. Die VVN-BdA ist die älteste antifaschistische Organisation in Deutschland. Sie mahnen seit dem Sieg über den NS-Faschismus: „Nie wieder!“. Kien Nghi Ha sprach bereits 2012 bei der zivilgesellschaftlich organisierten Demo die Abschlussworte. Er wird Resumee zum diesjährigen Gedenken ziehen.
Wir freuen uns auf eine kraftvolle Demo – voll wichtiger Inhalte. Wir danken allen Redner:innen, die nach Rostock kommen und rufen gemeinsam: Erinnern heißt verändern!
Am 21.08. haben wir den ganzen Tag fleißig getwittert, um euch an der Kundgebungstour von Pro Bleiberecht und der il.Rostock teilhaben zu lasssen. Lest nochmal im Detail hier nach.
Gedenkbündnis kritisiert Alleingang der Universitäts- und Hansestadt Rostock anlässlich des Lichtenhagen-Gedenkens
Das Bündnis „Gedenken an das Pogrom. Lichtenhagen 1992“ sieht die aktuelle Vorgehensweise der Hansestadt hinsichtlich einer Einladung an den Bundespräsidenten anlässlich des Gedenkens an das Pogrom kritisch. Es fordert, zivilgesellschaftliche Perspektiven in den Fokus zu stellen und politische Konsequenzen aus dem Gedenken an das Pogrom zu ziehen.
In dem Format „Die Narbe“ des NDR ist gestern eine Folge zum Pogrom in Rostock-Lichtenhagen 1992 erschienen. In diesem berichtet auch einer der im Sonnenblumenhaus angegriffenen Vietnames:innen, Hung Qouc Nguyen, erstmals über sein Erleben des Pogroms und der Selbstrettung aus dem brennenden Haus am 24. August 1992.
Der Stadtteil von Rostock und speziell das als Sonnenblumenhaus bekannte Gebäude wurde in den Tagen zwischen dem 22. und 24. August 1992 zu einem bitteren Symbol für die massive rechte und rassistische Gewalt in Deutschland in den 90er Jahren.
Im Sonnenblumenhaus befanden sich zu dem Zeitpunkt ein Wohnheim für ehemalige vietnamesische Vertragsarbeiter*innen und seit der Wende die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber*innen (ZASt).
Kundgebung vor Horst zum Gedenken an das Pogrom in Lichtenhagen. Bild: Bildwerk Rostock (flickr)
Am 6. März organisierte Pro Bleiberecht mit feministischen Gruppen aus verschiedenen Städten eine Kundgebung vor dem Aufnahmelager Nostorf-Horst anlässlich des Frauen:kampftags. Das Lager Nostorf-Horst ist ein direktes Ergebnis des Pogroms in Lichtenhagen. Wir werden deshalb in den nächsten Monaten auch immer wieder den Blick dorthin richten. Hier das Wichtigste für euch in Kürze:
Am 25. Februar wird im Neudierkower Weg in Rostock seit 2012 Mehmet Turgut gedacht, der dort von den Neonazis des NSU ermordet wurde.
Um Mehmet Turgut zu gedenken, haben sich am 25. Februar 250 Menschen am Mahnmal eingefunden. Mit diesem Gedenken an Mehmet Turgut begann das durch unser Bündnis begangene Gedenkjahr.
Am 19. Februar erinnerte der Migrant:innenrat Rostock mit einer Kundgebung an die Opfer des rechtsterroristischen Anschlags in Hanau 2020. Ihr könnt hier unseren Redebeitrag lesen.